C’est la vie

Verwirrung, Nichtwissen.
Sehnsucht nach der warmen Zweisamkeit.
Verfallen Deinem Schoße, erbarmungslos versunken in der Tiefe der Sinne.
Ein Summen der einheitlichen Körper, verloren in Dir.

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Und nie verspürt ich solch Lust, solch Sehnsucht nach des bleichen Mondes Licht, denn nie vermocht ich solch güldenen Schatten zu erblicken, wie den Deinen.
Wohlgeformte Linien erstrecken sich in gleißend grauem Licht und wie Sterne blitzen deine Augen aus dem Dunkeln.
Zwei grüne Smaragde, geprägt des armen Bettlers wegen, der gegraben sein Leben lang um zu finden solch Pracht.
Lippenrosenblütenblätter kreisend, stolpernd lassen Worte Deiner entfliehen. Worte wie silberne Glockenklänge schellen aus dem plätschernden Gewässer aller Geräusche, die ich je vernahm. Und nie wollt ich gewesen sein ohne den Anblick Deiner, das Funkeln Deines Angesichts. Auch wenn ich werde verglühen in Deinem strahlend Licht, wär ich lieber bei Dir gestorben als dumm zu leben. Und all das, was ich je sah, nichts erscheint in Deinem Glanz und Deine Schönheit trotze dem Alter und dem Tode, denn nie wird die liliengleiche Bläße Deine Wangen verlassen und die Nachtigallenstimme Deiner Kehle Feind sein. Nur der elfengleichen Seide Deiner Haut wirst beraubt, doch nie wird die Zärtlichkeit Deiner Berührung schwinden und nie mein Erzittern bei dessen Sein. Und wenn das schelmenhafte Lachen des Mondes sich über dem Wesen des Waldes erstreckt, wie ein Netz gespannt aus feinstem Engelshaar, welch glänzet im Schein Deiner, wird der Hauch Deines Wesens fliegen, gleiten dem Winde ähnlich, dem Fließen des Baches gleich und wird klirrend fallen auf des Netzes Perlen, ließe sie erklingen und des Nachtens Dunkel versüßen mit reinem Schall. Und meine Liebe gewebt aus tausend Liebesschwören umgarne Dich und vergehe in Deinem Licht.

Das Barockzimmer

Schweben. Inmitten des Raumes.
Verstörtes Zucken der Lider.
Ein Geräusch im hintersten Teil des Schattens.
Der Fremde lässt seinen Blick schweifen.
Ruhig und gelassen steht er am Rande und beobachtet jenes Treiben.
Man kann ihn kaum erblicken.
Nur die aufhellende Glut der Zigarette ist zu vernehmen.
Ein altes Zimmer.
Gekleidet in Barock.

Die feinsten Stoffe, Büsten, Fresken und Gemälde sind zu sehen.
Bei Tageslicht kaum zu erkennen welch Spiel dieser Raum in sich birgt. Das Geheimnis welches zu behüten ist, wie der eigene Augapfel.
Leichtes zittriges Atmen schallt von den Wänden her nieder, erfüllt den Raum und steigt hinab zu jener, welche es gab.
Ihre Augen von Muse erfüllt. Glühende Stiche gehen aus von ihrem Blick. Lässt ihre Augen wandern über den, den den sie liebte, für den sie einst gestorben wäre.

Nun liegt er unter ihr, hilflos, verlassen und ergriffen von solcher Lust dass er kaum vermag zu sprechen.
Er presst seinen Kopf in das schwarze samtene Laken, hart und weich zugleich.
Sein Blick starr vor Begierde, tiefe Falten rinnen über sein Gesicht.
Schweißperlen verstärken seine liebende Wut.
Ganze Kraft nur verwendet für diesen Augenblick.
Für diesen Hauch einer Sekunde. Für diesen Moment gab er all seinen Stolz, all jenes was ihn auszumachen schien.

SIE sitzt auf ihm wie eine Königin, ein fast gelassener Gesichtsausdruck, spöttisch, höhnend, genießend.
Sie betrachtet ihn, ein schöner Mann war er.

Ihre Hände gleiten über seinen Körper. Langsam über seine Brust, zwicken seine Haut, kreisen ?üer seinen Bauch.
So männlich und stark liegt er dort. So tapfer, so verkrampft sein Gesicht.
Jede kleinste Faser seines Körpers ist angespannt.
Wie als wollte er vor ihrer Macht fliehen, drückt er sich immer stärker in das antike Bett, welches kaum auszuhalten vermag solch Gewicht und solch Bewegungen.

Die Glut der Zigarette erhellt sich erneut.
Ein dichter Rauch verteilt sich im Sein und entschwindet langsam.
Sie schaut kurz auf, lächelt dem der dort steht zu.
Sie kann ihn nicht sehen doch sie erahnt ihn. Bald würde sie ihn wieder sehen dürfen, für immer.
Rasch wendet sie sich wieder ihrem Gatten zu, krallt ihre Finger in seinen Körper, sinkt mit ihrem Mund zu ihm herab und küsst seine Brust.
Harte bestimmende Küsse, wie von einer bezahlten Frau, die wünscht bald ihr Geld zu bekommen.
Sie beginnt ihn zu beißen, kratzen, saugt an seiner Haut. Er ist wahnsinnig vor Lust. Sein Verlangen bebt nach ihr, doch sie lässt ihn nicht.
Weiter sinkt ihr Mund, tiefer, erreicht seine zitternden Beine. Ihre Zunge gleitet zwischen jene, liebkost ihn anfangs dort, streicht sanft über seine Haut, küsst ihn.
Sie leckt über Ihn, öffnet leicht ihre Lippen, umspielt Ihn mit ihrer Zunge und lässt Ihn dann leicht in ihren Mund gleiten. Ihre Lippen saugen, nehmen Ihn tiefer in ihren Mund.
Sie spürt sein Zittern, lächelt während sie immer stärker seine Lust versucht zu befriedigen.
Er erlebt wundervolle Sekunden, lächelt.
Seine Hände streicheln seine geliebte Braut. Er spürt ihr seidenes Haar auf seiner Brust, atmet ihre Schönheit ein. Gewissheit beginnt ihn zu beherrschen, er weiß, er liebt sie.
Seine Augen wandern herab zu ihr er beobachtet ihren Kopf, wie er sich ein wenig auf und ab bewegt und haucht ihr zu …… ich liebe Dich.
Sie hebt ihren Kopf, ihr Leuchten erfasst seines, er lächelt sie verliebt an, sie öffnet den Mund, will etwas sagen…….. Stummer Schrei in ihrem Gesicht. Ihre Augen weiten sich, erfüllt von Angst und Schmerz, ein dumpfer Schlag. Ihr eben noch lieblicher Mund öffnet sich ruckartig und sie schreit, schreit ihren Todesschrei. Blut fließt über ihre Schultern, ihre Arme herab, spritzt ihm in sein von Liebe erfülltes Gesicht. Ihr Körper bebt, zittert, ein langsames Zittern, jeder Muskel springt. Die rote Flüssigkeit quillt aus ihrem geöffneten Mund, ihre Augen weit geöffnet, die feengleiche Bläße ihrer Iris verschwindet hinter ihren Augenlidern und ihr Körper fällt tot auf den seinen. Er schaut wie vom Tode berührt zu ihr, und dort wo eben noch ihr schreiendes Gesicht stand, sieht er nun den Kopf eines fremden Mannes. In dessen erhobener Hand prangert ein von Blut beschmiertes Messer. Er kann ihn nicht sehen, seine Augen erfüllt mit Tränen, seine tote Braut auf seinem Schoß, das warme Blut über seine Haut rinnend. Sein letzter Blick eine erlöschende Glut.
Und so ward genommen was einst gewesen.
Später war es in aller Munde. Paar aus Lust gestorben ……. aus der Lust eines anderen heraus ……… aus der Lust zu morden.

Worte

eine idee.
ein bedürfnis.
ein sehnen.
ein gefühl, gefühle.
eine aussage. aussagen wollen. mitteilen wollen.

halt. wie war das- eine aussage? ja, eine gute idee, etwas weitergeben. geradezu eine versuchung. aussagen, ohne zur karrikatur zu verkommen. ein seltener anblick, oder nicht? etwas sagen wollen, ohne es direkt zu sagen, sorgsam verpackt und doch schmerzlich offenliegend.
wozu dann noch die hölle?
doch ohne hölle bleibt nur ein freischwebender gedanke, allen. ohne sinn.

worte, von lauten geschaffen, resonanz suchend. aus intuition geboren, dem fluß der worte folgend. erfüllt von gefühl. lebendig von innerem verstehen. unbewu?t. wiederum alleine, ohne verständnis, nicht entlassen aus dem geist.

Wie könnte es anders sein, als beides miteinander verbinden zu wollen? Ganz einfach, ich tue genau das, was ich sowieso versuchen will, nur schaffe ich es diesmal.
Ein Vorsatz, der mich zum Lachen reizt, gerade weil er der Einzige ist, der sinnvoll erscheint und das auch noch so offensichtlich, daß er zur Trivialität verkommt.

Doch wie wage ich es, mir anzumaßen, Worte darüber zu verlieren.
Stille.

Von Stargazer

Ein Kristall

Stelle dir einen dunklen Raum vor. Einen auf den ersten Blick dunklen Raum, der neben deinem Atmen nur von einem leisen Klirren erfüllt ist. Mit jedem einzelnen Atemzug tritt ein wenig mehr ein sanftes Glitzern zu Tage, das aus der Mitte des Raumes zu kommen scheint. Frag nicht woher du weißt, dass dort die Mitte liegt. Du weißt es – und selbst wenn nicht, ist es ohne Bedeutung.
Um Farben zu sehen müsste mehr Licht da sein. Aber hier ist nur das Licht, das aus deinen Augen kommt. Mal heller, mal dunkler, je nachdem, wie genau du hinzusehen in der Lage bist und hinsehen willst. Und natürlich je nachdem, wo du hinsiehst.
Das Licht bricht sich in einem Kristall. Er sieht … ziemlich unordentlich aus. Unregelmäßig. Noch immer wachsend, sich verändernd, ohne seine Vergangenheit zu verlieren. Hier Zapfen aus regelmäßig gewachsenen Strukturen, dort ein Gewirr aus verwinkelten, verkümmerten oder gar abgestorbenem Geäst. Manche Stellen recken sich willig dem Licht entgegen, nicht viele. Andere scheinen das Licht aufzusaugen, versuchen sich angstvoll und schamerfüllt zu verstecken.
Ein Lachen der Erinnerung hallt ungewollt in dir nach, während dein Blick über einen strahlenden Moment gleitet.
Das leise Klirren, dessen fast ätherischer Klang den Raum erfüllt, nimmt einen schmerzhaften Klang an, als du dich den dunklen Stellen zuwendest. Tief versinkt dein Blick in dieser Qual. Für eine Weile umgibt dich nur Dunkelheit, dein Sein schwingt in Resonanz mit deinem Schmerz.
Unerwartet, ungerufen, unglaublich blitzt ein wild strahlender Funke in der Tiefe des Kristalls auf, bis für einen kurzen nicht endenden Moment die Freude des lebendigen Erkennens alles andere überstrahlt.

Erfüllt wendet sich dein Blick nach außen, wiedererkennend. Lebendig.

Von Stargazer

Miss Misty & Mr Bulldogge

„Ich denke da an was völlig Neues! Etwas wovon die Welt noch nicht gelesen hat! Misty, ich will folgendes auf Seite 3 sehen: Schwuler Pfarrer heiratet lesbische Nonne! Treib mir da jemanden auf Misty! Sofort! Ich will morgen deinen Artikel lesen!“

Total verwirrt starrt Ms. Misty ihren Chef an und haucht ihm ein leises: „H??“ entgegen.

„Was redest du da Misty? Warum sitzt du nicht an deinem Schreibtisch und telefonierst? Wenn der Artikel morgen nicht da ist bist du gefeuert!“ Brüllt ihr Chef Mr. Bulldogge.

Misty ist immer noch verwirrt, bewegt sich aber nun in Richtung Schreibtisch. Sie setzt sich auf ihren Stuhl (IKEA 29,95 besonderer Komfort). Sie blättert ihre Telefonliste durch und denkt dabei an schwule Pfarrer und lesbische Nonnen. Misty sitzt immer noch, blättert aber nicht mehr. Sie runzelt die Stirn und ist verwirrt. Was ihr Chef ihr aufgegeben hat ist doch unmöglich! Wie kann ein schwuler Pfarrer denn eine lesbische Nonne heiraten? Müsste er nicht einen anderen schwulen Pfarrer heiraten? Und müsste die lesbische Nonne nicht eine andere lesbische Nonne heiraten?

Ms. Misty erhebt sich von ihrem Stuhl (IKEA 29,95 besonderer Komfort) und läuft in das Büro ihres Chefs Mr. Bulldogge. Sie klopft an die Tür und wartet auf das bellende HEREIN. Mr. Bulldogge spricht nicht. Er redet nicht. Er flucht nicht. Er schreit nicht. Mr. Bulldogge bellt.

Ms. Misty öffnet die Tür und tritt in das 16m² grosse Büro. Es ist das größte Büro in der ganzen Etage.

„Was willst du Misty? Sag bloß dein Artikel ist fertig!“ bellt Mr. Bulldogge.

„Nein Mr. Bulldogge,“ sagte Misty. „Ich wollte fragen ob ich auch einen Bericht über zwei lesbische, verlobte Nonnen oder zwei schwule, verlobte Pfarrer schreiben darf. Sonst seh ich mich nicht in der Lage ihrem Auftrag folge leisten zu können.“

Mr. Bulldogge starrt Ms. Misty an. Mr. Bulldogge wird babyrosa im Gesicht. Jetzt ist er bei Lachsfarben. Wenn er weiterhin die Luft anhält kommt er an Korallenrot ran. Er wird lila. Jetzt macht er den Mund auf:

„WAS WAGEN SIE ES MIR ZU WIDERSPRECHEN SIE BLÖDE KUH! ICH WOLLTE EINEN SCHWULEN PFARRER UND EINE LESBISCHE NONNE! IST DAS DENN HEUTZUTAGE ZUVIEL VERLANGT???!! DAS HEUTIGE PERSONAL IST AUCH ZUM KOTZEN! UND SIE NENNEN SICH AUCH NOCH JOURNALISTIN! GEHEN SIE DAS KLO PUTZEN MS. MISTY!“

Ms. Misty hat sich über Mr. Bulldogges Tonfall erschreckt und hat die Augen weit aufgerissen. Sie sieht aus wie ein Frosch. Bloß nicht so grün und glitschig. Sie schliesst die Augen und holt tief Luft. Dann merkt sie wie die Tränen ihr in die Augen schiessen. Doch Ms. Misty weint nicht. Sie rennt aus dem Büro und geht auf das Klo um sich die Nase zu putzen.

Mr. Bulldogge hat sich jetzt beruhigt. Seine Frau hat ihm gestern gestanden fremd gegangen zu sein. Mit Pablo. Dem 17-jährigen Pablo. Mr. Bulldogge lockert sich etwas die Krawatte und beschliesst seine Frau auch zu betrügen. Schliesslich hat SIE ja damit angefangen!

Ms. Misty verlässt das Klo. Sie hat es nicht geputzt. Sie wollte, aber die Klofrau hat sich geweigert ihr Putzmittel und Lappen zu überlassen. Die Klofrau hat Angst um ihren Job. Schliesslich könnte Ms. Misty ja besser putzen als sie. Und wenn der Chef Mistys Talent zu putzen entdecken würde, wäre sie, die Klofrau arbeitslos. So wie 5 Millionen andere Klofrauen auch.

Mr. Bulldogge schickt Ms. Misty eine EMail.
Ms. Misty ist 1,75m groß. Seine Frau nur 1,63m.
Ms. Misty hat Körbchengrösse 75C. Seine Frau nur 80B.
Ms. Misty hat strahlend blaue Augen und lange, blonde Haare.
Seine Frau hat braune Augen und kurze schwarz gefärbte Haare.
Mr. Bulldogges Frau heisst Martha. Martha wäre sicherlich eifersüchtig auf Misty.
Deshalb steht in der EMail keine Kündigung, sondern eine Entschuldigung und eine Einladung zum Abendessen in einem teuren Restaurant.

Ms. Misty liest die EMail und schreibt ihm zurück. Sie nimmt die Einladung dankend an.

3 Monate später

Arme Ms. Misty. Wenn sie gewusst hätte das ihr Chef sie nur verführt hat um Martha eins auszuwischen, hätte sie die Einladung garantiert nicht angenommen.
Doch nun hat Misty eine Affäre mit ihrem Chef hinter sich. Er hat Schluß gemacht nachdem seine Frau ihn angebettelt hat, sie wegen Misty nicht zu verlassen. Mr. Bulldogge hat mit Beendigung der Affäre Misty gleichzeitig gekündigt.

Misty kommt sich nun betrogen und ausgenutzt vor. Mr. Bulldogge ist ein Arschloch, keine Frage. Er ist schlecht im Bett. (Höhepunkte vorzutäuschen ist eine Kunst für sich!) Aber das er sie entlassen hat! Das ist nicht nett…

2 Wochen später

Mr. Bulldogge ist um 07:00 Uhr aufgestanden. Er hat um 07:45Uhr das Frühstück eingenommen und hat um 08:30 Uhr das Haus verlassen.
Um 9:15 Uhr hat er mit der Arbeit angefangen. Auf seinem Schreibtisch stehen 4 Artikel:

Das geklonte Eichhörnchen!

Das geklonte Croissant!

Die erschreckende Wahrheit über A. R.’s Aufenthalt in der Hölle!

Die erschreckende Wahrheit über den König von Mallorca!

Mr. Bulldogge ist sich sicher das er das zweite und letzte Thema für die Zeitung nehmen wird.

Gleichzeitig ist sich Ms. Misty sicher das sie keine Splitterbombe nehmen wird. Das würde zuviel Aufsehen erregen und außerdem passte die Bombe nicht in ihre neue Gabor Handtasche. Stattdessen spielt sie mit dem Gedanken an Arsen und geht in den nächsten Baumarkt um ihre Brüste mit einem Verkäufer sprechen zu lassen. Und der Verkäufer war sehr behilflich! Besonders auf die Frage hin wieviel Arsen man denn bräuchte für eine etwas größere Ratte. Sagen wir z.B. 1,80m groß und 95kg schwer….

Von Yon

the sacrifice of hiding in a lie

achtung trigger!!!!!!!!

The Sacrifice of hiding in a lie
Gewidmet denen, die noch die Kraft haben, zu träumen. Möge der Wunsch in euch nie aufhören zu keimen

Ich schalte den Computer aus und mache mich auf den Weg zu dir. Du bist jetzt schon so lange gefangen und es ist närrisch, dich daran hindern zu wollen, frei zu sein.
Es regnet und ich gehe langsam in das alte Viertel: Die Luft riecht nach Regen und Dampfwolken hängen über dem Viertel. An einem Zigarettenautomat lasse ich meine Wut und den aufgestauten Hass freien Lauf. Nacht mehreren heftigen Tritten, knickt die eingebeulte Front ein und Zigarettenpakete fallen heraus .Ich trete jedoch weiter auf den Automaten ein, bis ich keuche und mein Atem in der kalten Luft kondensiert. Wie kannst du nur so egoistisch sein, verdammt!!! Ich hebe zwei Packungen von Boden auf und gehe weiter, meine Stiefel sind mittlerweile durchweicht und auch mein Innerstes ist dunkel und trist, so wie die Gegend, in der alles von einem verwaschenen grau bedeckt scheint, in der alles voller Risse, Löcher und Glassplitter ist, die Hochhäuser, die leer stehenden Fabrikhallen, die Plakate und Werbeschilder, die von Dreck, Moder, dunklem, feuchten Rost überzogen sind und dessen verblichene Farben längst abblätterten.
Endlich bin ich da.

Ich bin oft hier, aber nie zweimal am selben Ort. Neben dem grauen Hochhaus brennen Mülltonnen. Um sie stehen Obdachlose und wärmen sich am Feuer, unbeeinflusst der giftigen Dämpfe, die dem schwelenden Müll entsteigen. Niemand kümmert sich darum. Sie schauen mich kurz an, während ich die Eingangstreppe hinaufsteige und ich sehe den Verfall in ihren faltigen Gesichtern und ihre grauen, wässrigen Augen zeugen vom harten Leben, dass sie hinter sich haben. Ich öffne die Tür und finde meinen Weg ins 9. Stockwerk. Der Boden ist verdreckt, das verwaschene grün des billigen PVC ’s ziert Unrat, verschmierter Schlamm, Steine und Löcher. In den Ecken stinkt es nach Fäkalien. Die Fenster sind ungeputzt, von einem grauen, schmierigen Schmutzschleier bedeckt, die Wände haben Risse und irgendwo tropft ein Wasserhahn.
Ich öffne deine Tür vorsichtig und schließe sie leise. Dein, früher wahrscheinlich tiefroter Teppich ist ausgeblichen und abgewetzt. Ich finde dich auf einem alten, eisernen Bett in ein weißes Laken gehüllt. Du wartest nur auf mich. Das Blut übersehe ich.
Absichtlich.
Es war ein Fehler, würde ich vielleicht später sagen, wenn es ein Später geben würde. Aber es zählt das Jetzt, denn ein Morgen wird es nie geben.
Ich setze mich neben dich, umarme dich und halte dich fest. Doch deine Augen verraten keine Regung. Du beginnst zu zittern. Was taten sie dir nur an? Ich werde es nie erfahren. Ich weiß, wir haben nur uns, aber kann daraus nicht auch Leben entstehen?? Bitte hör auf so zu reden, das macht doch keinen Sinn!! Bitte, bitte hör auf! Ich halte mir die Ohren zu, denn das, was du sagst, kenne ich von mir. Ich kenne dein Innerstes. Mit leerer Stimme rezitierst du eines meiner unzähligen Gedichte:
Klingen öffnen Haut,
Tränen treten aus,
Haut verfärbt sich rot,
Seele wird schwarz,
Flügel verfaulen,
Gaben verkommen,
Leben stirbt,
Engel fallen,
und niemand reagiert.
Aber ich reagiere doch!!?, Ich schreie fast, bin verzweifelt, weiß um deinen Schmerz. Um dich vom reden abzuhalten, küsse ich dich.
Ich bin die Einzige, der du nie versucht hast, die Zunge abzubeißen. Die Anderen, die dich liebten, können nicht mehr sprechen. Das Grauen ist in dir. Deshalb fürchtest du dich auch so vor dir selbst, weil du die bist, die dir am meisten schadet. Ich bin die Einzige, die geblieben ist. Und ich werde dich auch niemals alleine lassen, egal was jemals geschehen wird. Dieser Satz mag bei anderen eine leere Phrase sein, doch ich binde meine Seele daran. Auch wenn dieser Satz meinen Tod bedeutet werde ich dir folgen, denn ich liebe dich und diese Liebe ist stärker als mein Selbst.
Noch ein letztes Mal nehme ich mir deinen Körper und gebe dir meinen. Auch wenn diese Zeit begrenzt ist so genieße ich sie, im Gewissen, etwas einzigartiges zu erleben und dir auch etwas von dieser Einzigartigkeit zu schenken. Du nimmst sie das aller erste Mal an. Du zerkratzt mir meinen Rücken und ich genieße den Schmerz, denn ich verwehre ihn mir selbst und er kommt von dir. Ich bin sanft, denn ich habe Angst, dich zu zerbrechen,
wie eine Puppe aus Glas,
die mit jeder Berührung
mehr Risse und Sprünge bekommt.
Zu viele sind tödlich,
obwohl gerade Zärtlichkeit das ist,
nachdem du dich am meisten sehnst.
Ich seufze und halte dich so fest wie ich kann. Du hast Angst. Ich auch.

Ich blicke hinauf zur Decke. Die Wasserflecken sind scheinbar schon seit einer Ewigkeit dort. Normalität,aber was ist schon normal? Ich lache bitter. Wir bestimmt nicht! Du blickst zu mir hoch und ich muss den Drang, dich anzuschreien heftig unterdrücken. Auch Tränen will ich mir verbieten, aber so richtig gelingt mir das nicht. Meine Sicht verschwimmt.
Es ist einfach traurig. Es wäre so viel machbar. Wir könnten so viel schaffen, könnten gemeinsam aufbegehren. Jede Regel könnten wir überwinden, aber nicht diese Leere in uns. Wir wollten sie mit uns füllen und mit fleischlichen Lüsten. Haben uns unabhängig von- einander immer neue Partner gesucht, für eine, oder zwei Nächte, danach den nächsten, den nächsten, den nächsten… Aber genützt hat es nicht viel. Es kam nicht gegen die Angst an.
Du küsst mich und gehst zum Schrank, dem einzigen Möbelstück in diesem Zimmer, außer dem Bett. Er hat Risse und ist aufgequollen und der Lack blättert auch schon ab. Es hängen nur weiße, weite Sachen darin (weiß, wie deine Seele??). Entgegen meines Geschmacks gefallen sie mir, – wenn du sie trägst.
Du entkleidest dich vollständig und ich sehe dich das allererste mal so. Es lässt mich zittern. Dein Körper… Er ist Horror und Kunstwerk zugleich. Tausende und Abertausende Narben bedecken ihn, nur Füße, Hände und Gesicht sind frei von ihnen. Ich habe es gewusst, aber nicht in diesem Ausmaß!!! Trotzdem ist es… Wunderschön! Wenn ein anderer Mensch dich genauso aufgeschlitzt hätte, hätte ich ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, umgebracht. Aber ich kann dich doch nicht vor dir selbst schützen!
Wie können Ekel und Faszination nur so nah beieinander liegen?, frage ich mich. Du ziehst ein weites, schulterfreies Oberteil mit langen Ärmeln an und dazu eine einfache weite Leinenhose und Slipper. Du schminkst dich, zum allerersten Mal nicht für mich. Doch ich bin nicht böse. Ein Hauch von Blau umgibt deine Augen und deine Lippen schimmern zart rosa. Nun bist du bereit und ich darf jetzt nur noch deine, in weißen, filigranen Netzhandschuhe steckenden Hände berühren. Du schlingst einen Seidenschal um deinen Hals in den du, zynisch wie immer, wenn es dir gut ging Please cut here eintätowieren lassen hast. Den Schal hatte ich dir zu deinem Geburtstag geschenkt und es war das erste Mal, dass du etwas zum Geburtstag geschenkt bekamst. Du warst dankbar und es war das erste und einzige Mal, dass ich ?Danke? aus deinem Mund hörte. Seltsam, dass mir wegen solchen Banalitäten die Tränen kommen. Aber das kann niemand nachvollziehen und das soll auch niemand nachvollziehen können.
Auf dem Weg zum Wald kaufe ich dir drei Rosen. Weil du sie willst. Deine erste Bitte an mich. Nach einer Stunde betreten wir den Wald, die Zeit bis hier kam mir wie wenige Sekunden vor. Wir sind angekommen und stehen vor einer tiefen, großen bewaldeten Schlucht. Es riecht nach Moos. Du lächelst. Ich weine schon wieder. Es ist so schön hier. Dies ist dein Ort und ich bin die Erste, die ihn als diesen wahrnehmen darf. Ich muss lächeln. Du hast nichts zu verlieren, gar nichts. Nur ich habe viel zu verlieren. Uns, dich, unsere Welt. Du küsst mich, ohne mich zu berühren und… du wirst sterben. Du springst in die Leere. Ich wusste es die gesamte Zeit, ohne es wahr haben zu wollen.
Du bist doch mein Engel, also, bitte öffne deine Flügel und fliege. Bitte, bitte BITTE!!!

Aber es ist nur ein Wunsch und nicht möglich. Es war nie möglich. Und ich wusste es. Ich sehe, wie dein Körper aufprallt und sich deine weiße Kleidung rot färbt.
Ich bin wie erstarrt. Ich merke, dass mir etwas warmes aus der Hand quillt und merke, dass ich die Rosen noch in der Hand halte und ich mir ihre Dornen ins Fleisch bohre. Nacheinander nehme ich sie, küsse sie und werfe sie zu dir hinab. Du wolltest sie als Grabschmuck. Ein bitteres, trockenes Lächeln ziert meine spröden Lippen..

Zukunft gibt es nicht.
Ich möchte gehen, weg von dir, weg von hier. Doch ich kann nicht. Auch meine Welt hat keine Zukunft mehr.
Und ich gab dir heute mein Versprechen, dich niemals alleine zu lassen.
Nun habe auch ich nichts mehr zu verlieren. Also drehe ich mich um und springe. Das war unser Opfer, uns hinter dieser Lüge zu verstecken. Es wurde nicht besser, egal wie lange wie gewartet haben.

Von Eden