1. Eintrag:
Wir wurden verschifft. Ich hätte nicht gedacht, das so viele von uns schon in den ersten
Wellen waren.
Ich bin Militärarzt. Mein Vater wollte unbedingt, das ich, der Tradition der Familie folgend,
Arzt werde. Sogar mein Großvater selbst war Medizinmann bei irgendeinem der
Indianerstämme. An dieser Stelle: Vielen Dank!! !
Ich wollte eigentlich zur Army und mein Land schützen. Am liebsten zu den Green Berets …
Ja, das sind echt klasse Typen. Von denen hatten wir auch fünf auf unserem Schiff.
Schweigsame Jungs. Nicht anders zu erwarten, als Einzelkämpfer. Doch wenn sie mal
Humor gezeigt hatten dann richtig klasse. Na ja nicht jeder mag diese Art von schwarzem und
sarkastischem Humor. Zum Beispiel gestern, da ging ein Private über Bord und das einzige,
was der Kerl von den Greens sagte war: „Wenn du schon untergehst, schau wenigstens nach
feindlichen U-Booten.“
Also ich fand den Witz nicht schlecht. Haben den Jungen ja wieder eingesammelt. ..
Wo war ich? Ach ja. Um einen Kompromiss zu finden, habe ich Medizin studiert und bin
dann zur Army gegangen. Da ich mein Studium mit Bravur abgeschlossen hatte, war mein
einstieg gut.
Leider fahren wir jetzt an einen Ort von dem wir nicht wissen, was er uns bringt.
An Board habe ich mich mit einem[nbsp] anderen Arzt angefreundet. Sein Name ist Terris er
kommt aus Boston und hat irgendwie irische Vorfahren. Netter Kerl, wir verstehen uns recht
gut. Mit dem kann man Pferde stehlen, vorausgesetzt die Krauts haben überhaupt Pferde.
Ich vermisse Cassie schon jetzt, ebenso wie meine Kinder. Ich hoffe ich sehe sie bald wieder.
Aber jetzt muss ich meinem Land dienen. Ich werde in eines der Lazaretts fast direkt an der
Front geschickt.
Das werden sicher harte Zeiten. Aber ich habe einen Glücksbringer bei mir. Das Skalpell
meines Vaters. Es wurde aus einem Messer gefertigt, das schon meine rothäutigen Vorfahren
benutzt haben. Jetzt liegt es hier in seiner Schatulle aus Kirschholz. Hoffentlich bringt es mir
Glück. ..

2. Eintrag
In wenigen Minuten legen wir an und dann geht‘ s los …

3. Eintrag
Na dann, wir sind da. Die Zelte stehen und die Soldaten haben sich gesammelt. Colonel
McKolwin ist unser Kommandant. Scheint ein recht netter Kerl zu sein. Nicht zu streng.
Etwas eigenartig vielleicht, aber das ist nicht so schlimm.
Klasse, Terris ist auch hier! Na dann kann ja nichts schief gehen und wir haben es sogar
geschafft gemeinsam ein Zelt zu bekommen. Na ja, ein gewisser Sgt. Irvine ist auch in
unserem Zelt, aber mit dem sollten wir klarkommen, schließlich sitzen wir alle im selben
Boot.
Sonst hatte ich kaum Zeit, hier jemanden kennen zu lernen. Aber dieser kleine, dürre Kerl ist
bemerkenswert. Er ist der Assistent von McKolwin. Na ja, mit dieser Brille ist er wie
geschaffen für die Schreibstube. Ich erinnere mich an etwas das Terris mir mal erzählt hat…
Kobolde … Und irgendwie erinnert mich dieser Private Smith an einen…
Ganz in unserer Nähe ist auch eine kämpfende Einheit stationiert, zu unserem Schutz. Na,
wenn die nicht schon bald auf unserem Tisch liegen, fresse ich meinen Colt.

4. Eintrag
Um 1234 standen die Zelte, und um 1235 ging es schon los. Es kamen zwei Lieferwagen an
mit verletzten. Meine Güte, diese Jungs sahen schrecklich aus. Zerfetzte Gliedmaßen,
Trümmersplitter, Einschüsse, alles war dabei.
Ich wusste es würde schlimm werden, aber das?! Großer Gott, wenn das immer so ist… wer
soll da denn den Verstand bewahren.
Smith, ich denke ich nenne ihn ab jetzt Kobold, hat sich beim Anblick der ersten verletzten
gemütlich verbeugt und den anwesenden sein Essen demonstriert.
Ich hätte mich gerne dazu gestellt, aber ich musste Arbeiten, vielleicht in der Mittagspause…
Irvine musste den großen Mann markieren und versuchte alles zu regeln, dabei stand er
jedem nur im Weg. Irgendwer muss ihm mal sagen, dass wir wissen, was wir tun…
Das erste Mal seit meiner Laufbahn ist mir jemand unter den Händen weggestorben. Ich
konnte einfach nichts weiter tun, er ist einfach gestorben. Ich kann es immer noch nicht
begreifen. Ist das der Krieg? Es scheint so. Ich will das nie wieder erleben, aber ich fürchte
das war nicht der letzte.
Ich muss mir etwas einfallen lassen, sonst werde ich hier Irre…
Es ist jetzt ca. 0200. Zu Hause stehen sie sicher gerade alle auf…
Terris sieht das ganze recht gelassen. Er sitzt auf seinem Bett und zeichnet was vor sich hin.
Ich frage mich, was er da macht. Jedenfalls hat er so ein Funkeln im Auge…

5. Eintrag
Ich hatte Alpträume. So viele Verletzte, denen ich nicht helfen kann.
Die Trompete zum Morgenappell riss mich glücklicherweise aus meinem Schlaf. Dreck,
Smith kann nicht trompete spielen … Ich habe mich erst einmal schnell in meine Uniform
geworfen. Ich denke es sollte hier egal sein, wie man rumläuft. Verdammt, wir haben Krieg.
Eigentlich hatte ich ja auch recht, kaum jemand war komplett den Vorschriften entsprechend
gekleidet. Nur Irvine, das dumme Arschloch musste sauber und ordentlich da stehen, Bauch
rein, Brust raus. Der Trottel drückt den Schnitt unseres Zeltes…
Der Colonel hatte eine kleine Ansprache gehalten in der er uns gedankt hat und seine
Hoffnung aussprach, dass wir nicht nur eine Truppe werden würden, sondern eine Familie.
Und er stellte klar, dass er das Oberhaupt dieser Familie ist.
Eigentlich wollte er uns abtreten lassen aber Irvine plapperte darauf los: „Sollten wir nicht
den Vorschriften entsprechend eine namentliche Zählung durchfuhren und die
Aufgabenverteilung sowie die Stabsaufteilung festlegen, Sir?“
Ich fange an ihn zu hassen, was will der Kerl? Sich wichtigmachen?! Dank ihm durfte ich
eine Auflistung über das medizinische Material erstellen, die ich Smith geben sollte. Smith
selbst war über diesen Berg an Arbeit, der auf ihn zukam nicht sonderlich erfreut da er es
alleine machen sollte. Danke Irvine! Eines Tages klebe ich deine Schuhe am Boden fest dafür.
Gegen 1430, also nach meinem verlängerten Morgenschlaf und dem da vorigen Frühstück,
wenn man unidentifizierbare Masse Frühstück nennen darf, machte ich mich an die Arbeit.
Ich sollte einmal das Küchenpersonal genauer beobachten, dieser Brei sah dem was gestern
aus dem Kopf eines Soldaten quoll verdächtig ähnlich.
Terris wollte mir unbedingt helfen, bei dem Auflisten ich verstand nicht warum, bis er mir
seinen Plan erläuterte.
„Es ist einfach. Ich denke, ich kann dir vertrauen. Also, ich habe da ein paar alte Rezepte
meiner Familie. Für Alkohol. Aber dafür brauche ich etwas zum brennen.“
„Und was habe ich damit zu tun?“
„Simpel, wir bauen eine Destille. Wen interessiert es schon wenn ein paar Teile fehlen?
Da Du die Liste machst, fehlen sie nicht einmal. Außerdem ist ein guter Tropfen erholsam
und vertreibt dunkle Gedanken. Das lässt uns besser arbeiten und daher tun wir nur etwas
gutes.“
Erst war ich nicht überzeugt, doch ich erinnerte mich an die Ereignisse von gestern. Da hätte
ein Drink sicher geholfen.
Ich liebe diesen Kerl! Wir hatten Spaß wie zwei Kinder an Weihnachten während wir die
Destille bauten. Und gerade in diesem Moment in dem ich dies Schreibe, tropfen die ersten
fertigen Tropfen in die Reagenzgläser…
Ich war auch bei unserem Pfarrer. Harris ist sein Name. Ein netter aber recht verwirrter Kerl.
Dennoch sympathisch. Man redet gerne mit ihm. Ich denke ich gebe ihm einen aus, wenn
unser Experiment gelungen ist.
Leider war dieser Tag am Ende nicht so gut wie er anfing…
Irvine wäre fast durchgedreht, als er unsere Destille sah.
„Seid ihr beide Irre?‘ Verkauft mich nicht für Blöd! Was ist das“!“ Waren seine Worte
„Also das ist ein Experiment zur Gewinnung von Treibstoffen aus einfachsten Grundstoffen,
zwar nur ein kleines Modell, jedoch irgendwann vielleicht ein Großprojekt. “ Ich fand meine
Ausrede klasse.
„Ihr haltet mich für dumm. Ich weiß was das ist! Ich werde das sofort berichten, ihr werdet
schon sehen was euch dafür blüht, Soldaten!“ Diese Worte haben ihn arg unsympathisch
gemacht. ..
Aber bevor es in einem Streit ausbrechen konnte, kam wieder ein Transport mit verletzten.
Im OP hat sich Irvine zur Lachnummer gemacht, als er auf einer Blutpfütze ausrutschte und
sich schwungvoll aufs Maul gelegt hatte. Gott haben wir gelacht. Leider hat eine der
Schwestern dafür den Ärger bekommen…
Aber wir haben das Spiel gewonnen, wenn auch nur knapp: 21 zu 29 für uns gegen den Tot,
obwohl der Heimvorteil hatte. DAS nenne ich eine Leistung. Das haben Terris und ich auch
gleich mit einem guten, hausgemachten Tropfen begossen.
Erst dachte ich, ich sterbe an dem Zeug. Aber jetzt geht es und ich merke es schon. Ich bin
nicht betrunken, aber ich bin ruhig und denke um einiges klarer. Irvine schläft schon der
Dreckssack. Wir sollten auch schlafen…

6. Eintrag
Heute ist ein guter Tag. Erst hatte ich einen Kater, aber Terris hat mich überredet, etwas mit
ihm zu trinken und sehe da, kein schmerz. Ich habe sogar gut geschlafen und geträumt.
Zum Appell waren wir auch nur wenige Minuten zu spät, aber wir waren nicht die letzten. Es
schien McKolwin nicht weiter zu interessieren. Nur Irvine musste eine Abfällige Bemerkung
machen. Irgendetwas über Säufer und Langschläfer und Strafe oder so was. Aber ich habe
beschlossen ihn zu ignorieren, der wird sein Fett schon weg bekommen …
Leider hatte er gepetzt und nach dem Appell inspizierte McKolvin unser Zelt. Er sah unsere
Destille und sah uns todernst an.
„Ist das euer Werk, Soldaten? Aus den Vorräten der US Army gestohlen?!“ Er hatte das mit
dem Befehlston echt drauf.
„Sir, ja, Sir. Aber sie müssen wissen, dass wir das hier nur aus gesundheitlichen Gründen
gebaut haben, denn wir wollen nicht das eine psychologische Überlastung unsere Arbeit
einschränkt und uns damit zu Fehlern verleitet, Sir“ Zum ersten Mal lohnte sich der
Psychologie Studiengang … hoffte ich.
„Sie haben gestohlen und damit werden sie nicht durchkommen. Als ihr befehlshabender
Offizier sage ich ihnen, dass ich dieses Ding nie wieder sehen will und sie dafür bestraft
werden!“ In diesem Moment dachte ich nur: Scheiße, da geht es dahin…
„Aber als gebürtiger Schotte sage ich ihnen, dass ich es einfach nicht sehen WERDE und
dass sie mir, ich meine der Army, gelegentlich einen Teil davon zukommen lassen sollen.
Aber sie sollten dieses Teil besser mit diesem Kolben verbinden und dann …“ Ich konnte es
kaum glauben, Gott ich danke dir für das unverschämte Glück. Musste an Terris liegen, das
Glück der Iren.
„Aber Sir, Sie können diese Verbrecher doch nicht damit davonkommen lassen! Ich hoffe sie
sind sich darüber im Klaren, dass ich das in meinen Bericht schreiben muss …“ es war klar, das
Irvine sich nicht ruhig halten konnte.
„Sgt. Irvine, wollen sie meine Entscheidungskraft als befehlshabenden Offizier in Frage
stellen?! Ich bin mir sicher, dass sie ihre Berichte gewissenhaft schreiben werden. ICH werde
sie gerne an das HQ leiten. Noch Fragen“!“
„Sir, nein, Sir!“ Ich denke Terris und ich klangen dabei fröhlicher als Irvine. Der kleine,
dreckige Schleimer.
Terris ist gegen Nachmittag, als der erste Fleischwagen durchgearbeitet war, dann zum
Colonel gegangen und hat sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt während er ihm ein
Fläschchen mit unserem selbstgemachten rüberschob.
Na ja, jedenfalls werden wir nicht auf dem Trockenen sitzen.
Heute fragte mich ein junger Soldat: „Sir, ist es arg schlimm wenn das Blut meines
Kameraden dunkel ist?“
„Nein, es ist nicht schlimm. Aber vor fünf Minuten hätte man sagen können dass es tödlich
ist.“ Was hätte ich denn sagen sollen? Nein, er kommt schon durch, auch wenn sein Herz
nicht schlägt? Ich bin eben ehrlich, wem es nicht passt, hat selbst schuld.
Unser Mittagessen war genau wie unser Frühstück, nur grüner und wärmer. Ich brauchte
dringend das Rezept des Koches … Damit ich ihn damit ersticken kann![nbsp] Gott, was würde ich
für ein Steak geben…
Oh, Dr. Terris hat mir gerade meine Medizin verordnet, da muss ich eine Pause machen.

Alscho hir isst alls gutt ich hab mein medi zinn genomme und geh jest schlafn .. Terris besucht
noc di schwestrn …

7. Eintrag
Heute kein Kater. Ich gewöhne mich erfreulich schnell an das Zeug. Unser erster Morgentoast
ging an die Soldaten, die heute im Laufe des Tages von uns zerschnitzt werden. Der Nächste
ging auch auf sie, und der danach und … Ach egal…
Heute starteten wir unseren Rachefeldzug gegen Irvine. Kurz bevor er zu Bett geht werden
wir ihm auf sein Laken einen gelben Fleck mit etwas Ammoniak und Apfelsaft an einer
strategisch wichtige Positionen anbringen. Das wird ein Fest, wenn wir ihn auslachen!
Ansonsten gab es heute nichts Neues. Den ganzen Tag über wurden wir von netten jungen
Soldaten besucht. Wegen jeder Kleinigkeit konnten die sich aufregen.
„Doktor, Doktor mein Arm tut weh! Das brennt wie verrückt.“ Hat heute ein Soldat
gequengelt.
„Das geht gar nicht, mein Junge. Der ist schon seit Stunden nicht mehr dran, aber wenn’s dir
hilft, legen wir deinen Arm zu dir ins Bett…“ Ich gebe zu, es war etwas unfair den jungen so
anzufahren, aber ich hatte einen verdammt harten Tag.
Einige Granatsplitter und zerfetzte Knochen später war endlich Mittagspause. Ich traf mich
mit Terris vor dem OP um gemeinsam erst einmal Platz für das Mittagessen zu schaffen
indem wir uns in einen der Kübel erbrachen. Irgendwie hat es was zusammenschweißendes,
wenn zwei Männer sich zusammen die Seele aus dem Leib kotzen.
Danach haben wir dann noch die Funktionstüchtigkeit der Destille überprüft um dann frisch
wie der junge Abend zum Essen fassen zu gehen.
Es gab heute Kartoffelbrei mit Bohnen in Tomatensauce. Aber das verdammte Zeug sah dem
Kram verdächtig ähnlich, dass wir schon gestern hatten. Und ich glaube es hat mich
wiedererkannt. Jedenfalls meine ich schon von dem Fraß gegrüßt zu werden…
Nach dem Essen ging es wieder dorthin, wo noch echtes Fleisch lagert … in den OP. Davor
wurden wieder die guten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen gebracht.
Ich musste einen Soldaten betäuben, der sich schreiend an den toten Leichnam seines
Kameraden gekrallt hatte. Manche Dinge sind wirklich nicht für menschliche Augen
bestimmt. Aber das macht nichts, denn ich bin hier ja eh so etwas wie ein Gott. Meine Güte,
ich werde hier noch wahnsinnig…
Irgendwie ist das komisch. Der Feind braucht nur wenige Minuten um unsere Leute zu
zerfetzen und wir brauchen dafür Stunden und oft ist das Ergebnis dasselbe, der Tot.
Jetzt haben wir erst mal einen Drink genommen. Terris geht der ganze Mist hier genauso auf
die Nieren, wie mir.
Ich bin gerade mit einem Briefnach Hause fertig geworden. Ich hoffe, es geht meiner Familie
gut.
Gute Nacht Deutschland. Möge Gott euch nicht zu mir schicken…

8. Eintrag
Kaum drei Stunden geschlafen und schon kam wieder ein Nottransport. Da hatte sich
wahrscheinlich eine Einheit zu weit raus gewagt. Wir bekamen nur einen Bus aber die
Soldaten sahen aus, als hätten sie einen riesigen Bären und dann eine Horde wilder ‚Wölfe
getroffen.
Kein Einschuss, aber überall Kratzer und Biss spuren. Drei von den Jungs konnten wir
durchbringen.
Kurz bevor ich mich wieder hinlegte, ging ich noch einmal durch das Zelt mit den
Krankenbetten. Da packte mich einer der Jungs am Arm und sah mich entsetzt an.
„Sie sie sind hier… Die Monster… Nicht in den Sumpf‘. Nicht weiter gehen … Sie töten uns
alle Ich muss sie warnen! Nicht! Nein!!!“ Der Mann war völlig aufgelöst.
Selbst wenn er wieder vollends gesund wird, wird er wohl nach Hause geschickt auf Grund
psychischer Störungen. Armer Kerl. .. Oder besser Glückspilz? Jetzt ist er erst mal auf Drogen,
den Gefallen musste ich ihm tun. Genug Opium um einen Elefanten umzuhauen …
Wir haben noch fast zwei Stunden, die wir zum Schlafen nutzen können, aber wir haben uns
dafür entschieden, diese Zeit zu nutzen um uns mental auf den Tag vorzubereiten. Terris hat
mir drei Dollar beim Poker abgezogen, das kann ja nur besser werden.
Wenigstens ist Mission „Irvines Bettgeschichten“ erfolgreich gewesen.
„Hier riecht es ja wie in einem Saustall! Das liegt sicher an ihrer Teufelsmaschine. Ich werde
jetzt mein Bettzeug lüften, das sollten sie auch tun, aber wahrscheinlich kommen sie Eber sich
in diesem Stall heimisch vor..“ Ja, Irvine konnte nach dem Aufstehen richtig nett sein.
Jedenfalls hat er dann schlaftrunken seine Bettwäsche vor unser Zelt auf die Leine gespannt,
so dass jeder sehen konnte, was er so auf seinem Laken fabriziert hatte. Das war ein Fest! Alle
haben sie gelacht und Irvine wurde immer kleiner.
Wutentbrannt hat er dann sein Laken von der Leine gerissen und ist feuerrot auf uns zu
gestürmt.
„Das … Das wird so nicht durchkommen! Ich werde sie vor das Kriegsgericht bringen.
Mangelnder Respekt gegenüber einem höheren Offizier. Das kostet sie ihre Köpfe.“ Er war so
wütend, dass er schon spuckte beim Sprechen, aber wir konnten einfach nicht mit dem Lachen
aufhören.
Nach dieser Aktion war das gesamte Lager, Irvine mal ausgenommen, fit für einen neuen Tag
in der Hölle. Jedenfalls reichte es um einige frohe Gesichter zu zaubern. Und das war es mir
natürlich wert, aus der Army entlassen zu werden und nach Hause geschickt zu werden.
Pünktlich nach dem Morgenerbrochenen, neues und treffendes Wort für Frühstück, kamen die
ersten Transporte. Es war das Übliche. Splitter, Einschüsse und abgerissene Gliedmaßen.
Wenn die Jungs weniger wimmern würden und ihre Körperteile einsammeln, wäre es
vielleicht sogar möglich einiges wieder anzunähen. Aber wie soll ein Arzt denn arbeiten,
wenn die Leute denken, dass Finger und Ohren irgendwo auf Lager liegen oder an Bäumen
wachsen.
Hab ich das gerade geschrieben? Gott, ich werde verrückt. Aber die Vorstellung eines
Baumes, an dem Finger und Ohren wachsen ist irgendwie amüsant. Jesus! Ich werde wirklich
verrückt. Ich brauche einen Drink
Der Mittagsschleim war genauso gut wie das Morgenerbrochene. Habe ich erwähnt, dass ich
den Koch hasse? Nein? Ich hasse ihn! Ich denke ich werde das Essen sein lassen und mich
von unserer Destille ernähren. Wir haben mehr als genug mittlerweile produziert. Vielleicht
können wir unseren Selbstgebrannten ja in diesem Dorf in der Nähe gegen was Ordentliches
zu Essen tauschen.
Heute habe ich einen Soldaten auf dem Tisch gehabt, der sich selbst aus Versehen in den Fuß
geschossen hat. Das war ihm vielleicht peinlich…
Ich denke Irvine hat uns vergeben, mittlerweile hat er seine Waffe schon wieder gesichert. Ich
frage mich warum der Kerl ne Waffe trägt. Wen will er erschießen? Einen aufmüpfigen
Patienten? Der Kerl ist echt pathetisch. Vielleicht will er damit ja auch was kompensieren wer
weiß.
Gegen Abend habe ich noch mal den Jungen besucht, dem das Unglück mit seinem Gewehr
und dem Fuß geschehen ist.
„Sir, Dürfte ich sie um etwas bitten, Sir?“ Er klang etwas zaghaft.
„Na klar, Sohn. Was liegt ihnen auf dem Herzen? Schießen sie los, aber lassen sie ihr Bein
heil.“ Ich denke mein kleiner Scherz kam bei ihm nicht gut an.
„Sir, würden sie bitte nichts von dem hier in ihrem Bericht erwähnen? Es ist doch etwas
peinlich und ich möchte nicht als Trottel nach Hause zurückkehren, Sir.“
„Aber klar, in meinem Bericht wird nur eine Schusswunde vermerkt werden. Gratulation,
dafür bekommen sie ein Purple Heart. Sie sind ein Held, Soldat.“
Das schien ihn etwas aufzubauen. Irvine der Armleuchter hätte ihn sicher eiskalt als Trottel
dargestellt, aber damit ist in diesem Krieg niemandem geholfen. So werden vielleicht noch
andere inspiriert.
Jetzt ist es wieder einmal 2357 zum Glück ist für heute wohl erst einmal alles vorbei. Terris
hat Bereitschaft. Ich habe ihm gerade ein Glas von unserem destillierten Erzeugnis gebracht.
Wenigstens konnte ich ihm eine kleine Freude machen. Wenn auch sonst in diesem Krieg nur
schlechtes geschieht.
Gute Nacht an alle Soldaten. Möge Gott euch schützen.

9.Eintrag
Im Osten nichts Neues. Unsere Truppen kämpfen, werden angeschossen und kommen zu uns
in den OP. Krieg ist etwas Widerliches. Fast so widerlich wie unser Essen, aber nicht
annähernd so widerlich wie Irvine.
Der Typ muss krank sein. Das alles hier scheint ihn nicht im Geringsten zu berühren. Wie dem
auch sei, er ist eben ein Arschloch.
Terris hat den Tag erst mal Pause. Heute Nacht kamen wohl doch noch ein bis zwei Wagen
rein. Er hat mich heute nach seinem Dienst geweckt um noch einen mit mir zu trinken. Erst
dachte ich, der Tot holt mich. Rot unterlaufene Augen und bleich wie eine Kalkwand stand er
da und grinste. Zum Glück hatte ich keinen Herzinfarkt.
Nach dem Appell ist Terris dann ins Bett gefallen und hat geschlafen.
Gegen Mittag kam endlich mal ein Wagen an, der keine Verletzten gebracht hat. Es war ein
Versorgungswagen!
Langsam wurde es auch Zeit, ich wollte mir schon einen Baseballschläger besorgen um
Anästhetika zu sparen.
Es war ein erhabener Anblick zu sehen, wie Kisten um Kisten entladen wurden. Smith sah auch
recht zufrieden aus mit seiner Lieferliste und alles koordinierend.
Mit sauberem Kittel und schmutzigen Gedanken ging es dann wieder in den OP. Also wenn
ich nicht verheiratet wäre, könnten mir einige der Schwestern gefallen. Aber es stimmt,
Frauen stehen auf verheiratete Männer. Sogar Irvine bändelt mit einer Schwester an. War der
nicht verheiratet, oder so etwas? Memo an mich: Den Familienstand von Irvine dem
Drecksack überprüfen.
Ich liebe unseren Koch! Ich nehme alles Schlechte zurück was ich über ihn gesagt habe und
behaupte das Gegenteil. Es sind Vorräte geliefert worden. Heute schmeckte der Kartoffelbrei
nach Kartoffel und alles andere auch nach dem, was es sein sollte. Als ich in die Kantine kam
dachte ich, mich trifft der Schlag. Das war wie ein Wunder. Und es gab sogar echte Äpfel.
Jap, heute ist ein guter Tag. Jetzt müsste nur noch ein Brief kommen, in dem steht, dass ich
nach Hause kann. Dann wäre es perfekt.
Nach dem Essen war Postausgabe. Ich habe zwar keinen Brief vom Oberkommando aber ein
Paket von zu Hause bekommen.
Das war großartig da waren so viele tolle Sachen drin, von Dosenbohnen bis Schokolade. Ich
habe auch schon eine gute Idee, was ich mit der Schokolade machen werde…
Nach einigen Drinks und ein paar Keksen aus der Heimat haben wir Feierabend für heute. Ich
übergebe das Wort an das Artilleriefeuer unserer Soldaten. Gute Nacht.

10. Eintrag
Es war doch kein Traum … Ich sitze in einem dreckigen Feldlazarett in mitten des Krieges und
schneide an Menschen rum. Wenigstens gibt es mittlerweile was Richtiges zum Frühstück.
Eier mit Speck, das nenne ich Service.
Auszüge aus Briefen, die Oaktree an seine Frau geschrieben hat.

02-16-1917
Hallo Cassie,
wie immer ist in diesem elenden Feldlazarett die Hölle los. Heute ist mir ein junger Mann
unter den Fingern gestorben. Eine verdammte Granate hat ihm den halben Brustkorb
zerrissen, Gott ich hasse diese Dinger!
Ich hoffe es geht dir und den Kleinen gut.
Terris hat heute in die Stiefel von Sgt. Trvine gekotzt. Naja, gekotzt ist vielleicht falsch, wir
haben nur aus alten Resten aus der Kantine etwas Entsprechendes zusammengerührt. Du
hättest das Gesicht des Idioten sehen sollen als es morgens zum Appell (Ich frage mich, wann
er merkt, dass er der einzige ist, der, wenn überhaupt, pünktlich kommt…) in seine Stiefel
sprang. Ja, ich weiß was du jetzt sagen würdest, ich sollte mit den Spielereien aufhören, ich
bin kein Kind mehr.
Aber das ist hier die einzige Möglichkeit nicht wahnsinnig zu werden. Das und unser guter
selbstdestillierter.
Verdammt, ich will nachhause und dich und die Kinder endlich wieder in die Arme nehmen.
Ich träume oft von dir, kleines. Weißt du noch, wie wir uns damals kennen lernten? Ich werde
den Tag nie vergessen. Ich war noch in meinem Medizinstudium zu dem mein Vater mich
gedrängt hatte, von wegen Familientradition … Jedenfalls war ich in Gedanken unterwegs und
hab dich vollends übersehen und über den Haufen gerannt. Du sahst schon immer süß aus
wenn du wütend bist. Und dann hast du mich geohrfeigt. Meine Güte, ich war perplex, dass
eine so kleine Lady einen Riesen wie mich einfach ohrfeigt … Wenigstens hast du meine
Einladung um mich zu entschuldigen angenommen.
Wenn ich daran denke wie wir geheiratet haben, kommt es mir manchmal wie ein Traum vor,
den ich gerne den Rest meines Lebens träumen würde … Aber hier ist Krieg und der ist Echt.
Ich liebe Dich. Sag bitte Susan und Daniel, dass Daddy sie liebt und bald wiederkommt.

02-26-1917
Hi Sweetheart,
Heute haben wir den Tag der Unabhängigkeitserklärung. Alle Feiern sie, wir hatten heute eine
Ladung verletzter von einem Mienenfeld, sie haben auch gefeiert … unabhängig von ihren
Körperteilen …
Shit, ich drehe hier langsam durch. Jeden Tag sitzen wir hier rum und warten auf den
nächsten Fleischwagen. Dann werden die Verletzten aussortiert. Die, für die noch Hoffnung
besteht nach links und die anderen nach rechts, gleich wie sehr sie schreien.
Teilweise sind fast noch Kinder dabei … Gott ich verfluche diesen Krieg.
Ich hoffe es ist bald vorbei. Manchmal wünschte ich zu den Green Berrets gegangen zu sein.
Dann würde ich wenigstens einen Feind zu Boden bringen und töten und nicht meine eigenen
Leute.
Ich sehne mich nach dem Tag an dem ich wieder bei dir bin.
In Liebe,

05-27-1917
Hi Cassie,
Sorry, das ich dir so verdammt lange nicht schreiben konnte, aber irgendein Trottel hat unser
Lazarett mit irgendetwas anderem verwechselt und wir standen unter Beschuss.
Mach dir keine Sorgen, ich wurde zwar angeschossen, aber wenigstens hat es mich nicht
schlimm erwischt.
Fast hätten wir unseren Colonel verloren. Er hatte eine wirklich üble Schusswunde
abbekommen. Verdammt übel zu operieren wenn überall um einen herum Kugeln und
Granaten einschlagen.
Aber so wie es aussieht werde ich befördert, na wenn das nichts ist.
Wir hatten echt Glück, dass hier eine gute Truppe stationiert ist. Ein gewisser Joe Carter ist
recht interessant. Grundsätzlich ist er recht unauffällig, aber er ist pflichtbewusst und loyal. Er
hat Zukunft, nur leider ist seine Humorlosigkeit echt widerlich …
Ich werde das erst einmal mit Terris zusammen begießen…
Hoffe dir und den Kindern geht es gut. Sag dem kleinen bitte danke für das schöne Bild dass
er mir gemalt hat und dein Fresspaket war großartig. Habe es mit Terris geteilt.
Ich soll dir von ihm ausrichten, dass er dich auch liebt.

06-17-1917
Hallo ihr drei daheim,
ich dachte die letzte Zeit war die Hölle. Aber ich habe mich getäuscht.
Terris ist tot. Verdammte Scheiße, er ist tot! Gütiger Gott, warum?
Es war letzte Nacht, seit Tagen war Terris schon merkwürdig. Seit dem Vorfall mit diesem
jungen Soldaten … Der arme Bengel war völlig durchlöchert. Terris ist gut, nicht so gut wie
ich natürlich, aber auch er konnte nichts machen. Nach dem Herzstillstand versuchte er ihn
wiederzubeleben, wieder und wieder. Ich habe ihn nie derart keifend und fluchend gesehen …
Ich habe ihn wegzerren müssen, dann haben wir ein paar getrunken. Er war vollkommen
aufgelöst. Er murmelte dauernd, das sein jüngerer Bruder fast genau so aussah und sein Alter
hatte.
Jeden Tag sterben Menschen. Bin ich ein schlechter Mensch, weil es mich nicht mehr
berührt?
Jedenfalls wurden wir letzte Nacht von einem kleinen Feindtrupp der sich wohl verlaufen
hatte angegriffen. Sie zerbombten unseren Destillierapparat Terris riss einem anderen
Soldaten das Gewehr aus der Hand und stürmte schreiend auf sie zu. Er schrie, dass sie ihm
den Rausch nicht auch noch nehmen würden … dann wurde er durchlöchert. Ich habe ihn aus
dem Schussfeld gezerrt, aber es war zu spät. Ich habe wirklich versucht ihn zu retten, aber ich
konnte es nicht … ich konnte meinen Freund nicht retten. Einen Anhänger gab er mir, den soll
ich seiner Familie geben. Dann starb er. Scheiße! Ich werde nie seine Augen vergessen…
Ich habe genug von Krieg spielen. Ich mach da nicht mehr mit!
Ich will zurück zu euch. Im Moment ist der Gedanke daran zu euch zurück zu kommen das
einzig tröstliche.

12-25-1917
Hallo Kleines,
Wie geht’s euch?
Hier ist alles in Weihnachtsstimmung. Wir haben sogar einen Tannenbaum. Na ja ein Gerüst
aus alten Schirmen und anderen Dingen, die unser kleines Organisationsgenie Smith besorgt
hat.
Der kleine ist lustig. Und war sehr hilfreich dabei die Destille zu reparieren.
Hab auch versucht, Joe Carter mal etwas aufzulockern, aber irgendwie hat er sich nicht über
mein Geschenk gefreut. Er hätte wohl nicht erwartet, dass ich ihm mein Herz schenke… Na
gut, es war nicht wirklich meins, aber es war eben nach einer Operation übrig.
Ach ja, wir haben einen neuen. Ein Schlitzauge. Er soll Terris ersetzen. Als wenn das jemand
könnte.
Ich kann diesen Besserwisser nicht leiden. Ich denke er heißt Ling oder so. Das Schlitzauge
mag ja eh niemand.
Ansonsten gibt es hier nichts Neues. Ich bade täglich … in Blut. Und das Essen ist auch gar
nicht so gut. Ich sollte mehr trinken, ich bekomme zittrige Hände.
Was sollte eigentlich die Sache in deinem letzten Brief bedeuten? Das mit dem
Alkoholproblem und das sich manche Dinge ändern?
Gib den Kindern einen Kuss von mir.

01-05-1918
Hallo ihr da drüben,
Meine letzten Briefe scheinen nicht angekommen zu sein, oder deine sind hier nicht
angekommen. Ich versuche es einfach weiter. ..
Viel passiert hier nicht. Ich musste einem Jungen heute die Beine Amputieren, leider war er
Quaterback in der Schule. Tja, das wird er wohl vergessen können. Wenigstens kann er nach
Hause und muss nicht weiter hier in diesem Höllenloch sitzen. Na ja, mehr als sitzen wird er
nicht mehr können…
Langsam mag ich diesen Ling, gestern haben wir zusammen ,,Den Drachen gejagt“ wie er es
nannte … das hat ihn arg sympathisch gemacht. Obwohl ich eigentlich ein Gegner von Jagten
bin.
Ich denke von dem kleinen Schlitzauge kann ich noch gut was lernen. Er weiß eine Menge
über Pharmazie und solche Dinge. Vielleicht war ich etwas zu streng mit ihm…
Ich liebe euch.
Bis bald,

02-03-1918
Hallo,
Es ist immer noch kein Brief von dir angekommen. Stimmt etwas nicht? Auch zu Hause hat
sich keiner gemeldet, als ich es endlich geschafft habe, einen Anruf zu bekommen…
Was gibt es zu erzählen? Nicht viel, ich lerne einiges von Ling aber ansonsten passiert hier
nur das übliche.
Das Blut ist immer noch rot, und der Boden in unserem OP ist immer nass. Gestern Nacht
wurden wir aus den Betten geholt, Nottransport von verletzten. Dieses Mal waren es
Zivilisten, Krauts. Die sprachen größtenteils nicht einmal englisch. Aber wir hatten die Pflicht
Leben zu retten und das taten wir, so gut es ging.
Ich erinnere mich am Ende eines Tages eigentlich nicht an Gesichter. Dieses Mal war jedoch
das einer jungen Frau in meinem Kopf Ich hatte sie auf dem Tisch. Fast hätte ich sie verloren,
aber wir hatten Glück. Es wird ihr bald besser gehen.
Warum passiert so etwas? Ich hoffe wir gewinnen den Großen Krieg, ich will nicht, das
irgendwann vielleicht meine Tochter auf irgendeinem verdammten Tisch liegt und fast stirbt.
Na ja.
Es ist hier jetzt 2100 bei euch muss es mitten in der Nacht sein. Träum süß mein Schatz. Sei
behütet.

03-17-1918
Hey!
Scheiße! Was soll das verdammt?! Ich habe endlich einen Brief bekommen und darin sind
lediglich Scheidungspapiere? !
Das ist doch ein schlechter Scherz! Warum? Was ist denn los? Ich kann es nicht glauben…
Gott, ich liebe dich und du weißt es!
Warum … ich werde jetzt erst einmal auf die Jagd gehen…

04-22-1918
Ich weiß nicht warum ich dir noch schreibe … Sicher werde ich diesen Brief nicht abschicken,
aber ich muss einfach schreiben…
Ich werde langsam müde…
Sie haben mich auf einen Lehrgang geschickt. Da sollte ich meines Wissens um die
Feldmedizin“ vertiefen und meine Pharmaziekenntnisse auffrischen und verbessern.
Allgemein war das eine nette Abwechslung, aber ich will keinen Krieg mehr…
Am 12. haben sie mich dann zum Captain befördert, zusammen mit Joe Carter. Ich sagte
doch, der Bengel hat Zukunft. Keine Ahnung warum, aber wenigstens einige Lorbeeren für
mich… Tolles Lametta für nächstes Weinachten im Blutsumpf ..

09-17-1918
Das darf doch nicht wahr sein!
Der Krieg ist vorbei! Endlich! Yes! Ich kann nach Hause!
Aber was erwartet mich da? Du bist weg … die Kinder auch … Na ja, wenigstens kann ich die
Destille mitnehmen … war mir eh am treusten in der Zeit.

12-24-1918
Super, bald ist Weihnachten … Ich habe mein Leben satt. Wenigstens habe ich meinen Sold
und meine Wohnung. Ich habe den Kakerlaken sogar Namen gegeben.
Ist es schön in Iowa? Geht es den Kindern gut? Ich habe hier genug Opium um den
Verdammten Drachen endlich zu fangen. Damit Könnte ich mich ins Walhalla blasen!
Vielleicht sollte ich das machen…
So, jetzt habe ich den Mist intus. Klasse Farben und ich fühle mich so… hey Terris … Ich bin

12-26-1918
Ich bin aufgewacht. Scheiße! Ich wollte doch sterben … Gott was für eine Welt … vielleicht ja
das nächste Mal.
Es ist nicht fair, dass du dich nicht mal meldest. Aber es ist dir wahrscheinlich egal…

01-01-1919
Keine Ahnung warum, aber die haben mich „Auf Reserve“ gestellt. Und dann auch noch den
Sold erhöht?‘ Na ja, mir soll es egal sein. Hauptsache sie zahlen und wenn ich dann nichts
dafür tun muss umso besser.
Nichts tun ist untertrieben…. Ich soll auf einen Lehrgang. Na mal sehen was da kommt…

01-12-1919
Meine Güte, das mit dem Lehrgang war richtig ernst. Was haben die da vor? Mich doch noch
zum guten Soldaten machen?!
Training unter .Extrembedingungen“ nennen die das. Die spinnen!!! Das ist Mord! Ich bin
doch kein Teenager. ..
Und dann noch Carter. Ich glaube langsam der verfolgt mich… Ist der Schwul? Irre ist er
jedenfalls. Wenigstens waren die so clever mich zu holen wenn er mit Sprengstoff spielt. So
besteht wenigstens eine Chance, dass ein paar Leute das überleben.
Sicherheitsvorkehrungen sind eine gute Sache … wenn man sie nutzt.
Ich hab gerade eine neue Mischung ausprobiert. Das Zeug riecht schon gut. Mal sehen, was
der Tropfen mir bringt…

09-22-1919
Also langsam finde ich fast Gefallen an diesen Lehrgängen … Etwas, dass mich mal aus diesem
Loch holt.
Ich finde das echt interessant, dass die mich, einen Arzt, in ihr neues Programm gesteckt
haben. Comando- Training nennen sie es. Scheint irgendetwas mit Schlägen und Treten zu tun
zu haben. Es ist simpel aber doch tödlich. Interessant…
Ich könnte fast wetten, dass mich keiner von den jungen Hüpfern bei den Rekruten zweimal
„Alter Sack“ nennt. ..
Bin ich das oder nehmen die Niggerbars überhand? Was solls… wenigstens ist ihre Musik
nicht schlecht … wenn man dicht ist. ..

11-04-1919
Und wieder ein Lehrgang. Heute gab es richtig Feuerwerk! Zwei junge Soldaten wären fast
verreckt. Aber man konnte die Löcher stopfen und was ab war konnte wieder ran gebaut
werden. In ein paar Wochen werden die wieder Tanzen. Wenn sie es können heißt das.
Ich vermisse die Kinder. Ich träume oft von euch. Es regnet hier, regnet es auch in lowa?
Ich werde einen guten Rat von Ling befolgen … Der sagte: „Wenn das Schicksal dich ärgert,
reite auf dem Drachen davon.“ Oder so ähnlich …