Zärtlich spielen deine Finger ihr Stück. Erforschen sacht federnd das neue Instrument. Die Lippen formen ein Lächeln. Die Augen geschlossen. Lassen dem Erfühlen freien Lauf. Setzen sich zu Bildern, Melodien gar zusammen.
Ob Beethoven so komponierte? Die Melodien, die seine Finger erfühlten, später mit Feder das Pergament erfüllten? Welch Komponist kann glücklicher sein als ein solcher?
Welch Maler wohl statt zur Feder zum Pinsel griff um erfühltes für das Auge anderer Betrachter festzuhalten? Oder lieber nur für das eigene Auge als Erinnerung an das was er fühlte? Welch Künstler, der solches Glück erfuhr, gibt dieses gern frei um es von Kritikern zerpflücken zu lassen? Sich die Erinnerung kaputt machen zu lassen?
Kunst ist Liebe?
Liebe ist Kunst?
Liebe gleich Fantasie gleich Kunst?
Und wenn die Finger erforscht haben? Wenn das Instrument mit allen Formen bekannt ist? Ist dann das Innere bekannt? Mit allen Geheimnissen, Tücken, Überraschungen? Warum wohl erforschen und probieren wir so viele jener?
Und doch macht uns jedes davon eine Zeit lang glücklich, wie auch die Erinnerung daran. Denn Schönheit, Harmonie und Glück verwandelt das Gedächtnis in jene Erinnerungen die über negatives hinwegtrösten können und bleiben uns noch lange nach Verlust des Instrumentes bewahrt und schulen uns auf der Suche nach neuen Körpern zum erforschen. Lassen Geheimnisse und Tücken finden. Vor Überraschungen jedoch warnen uns unsere Erfahrungen nicht. Doch ohne diese wäre vieles uninteressant.

Der Mensch, der Inneres durch Äußeres erkennt oder denkt zu erkennen ist ein einsamer Mensch.
Ohne aufmunternde und zauberhafte Erinnerungen.
Er vermag die Schönheit von Kunst nicht zu erkennen.

von Lichterhexe